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Deichkante - Süchtig nach Brise

Keine Lösung tut auch mal ganz gut


Wenn ich den Begriff „Lösung“ heutzutage höre, dann fast nur noch mit dem unsichtbaren Vorbau „Oberflächliche Lösung“ für:

-schnelle Antworten auf Fragen, die man oft selbst noch nicht durchdrungen hat
-Optimierung von etwas, das vielleicht gar nicht optimiert werden will
-ein einfaches „Mach mal dies, dann bist du wieder okay“

Ich bin selbst Coach. Ich sollte von Lösungen leben. Viele Menschen kommen zu mir aber nicht ins Gespräch, weil sie keine Lösung haben. Sie kommen, weil sie zu viele haben. Die vielen guten Ratschläge, die Strategien, die „guten Ideen“ von anderen klugen Menschen bei Social Media und Co.

Und trotzdem dann dieses dumpfe Gefühl: „Irgendwas stimmt hier nicht. Aber ich komme nicht ran“. Da wirkt so manche Lösung eher wie ein Pflaster auf einer Stelle, die eigentlich Luft braucht.

Coaching beginnt für mich seit langem ohne das Versprechen von Lösungen. Nicht, weil ich gegen Lösungen wäre, sondern weil sie in diesen Zeiten zu oft zu früh kommen.

Denn eine Lösung, die nicht verstanden ist, trägt selten lange und ist im Kern nicht mal gut genug für den Begriff „Vorschlag“. Eine Idee, die nicht aus dem eigenen Denken entsteht, bleibt fremd.

Und trotzdem plärrt es mir unentwegt entgegen: „In drei Sessions zur Klarheit!“ „Wir liefern sofort Ergebnisse!“ u.s.w. Maschinengewehr-Coaching. Ratatatat. Trefferquote egal, Hauptsache laut.

Klingt effizient, klingt stark und klingt nach Baumarkt.
Regal A: Methoden
Regal B: Tools
Regal C: „In 4 Wochen zu deinem neuen Ich“

Doch nicht jede Situation ist kaputt, nicht alles muss repariert werden und nicht jedes Denken braucht sofort ein Ergebnis. Manchmal braucht es erst einmal etwas anderes, nämlich Zeit, Raum und jemanden, der nicht sofort mit dem Werkzeugkoffer wedelt.

Einer meiner Lieblinge aus Schulzeiten, Rainer Maria Rilke, würde jetzt, wenn er mit uns am Tisch säße, wohl etwas sagen, das bis heute eine wohltuende Zumutung ist. Sinngemäß seine Worte:

Hab doch erstmal die Fragen selbst lieb! Wie noch verschlossene Stuben oder wie eine fremde Sprache, die du lernen willst. Nicht gleich zu sehr auf die Lösungen drängen! Denn vielleicht, eines Tages und ohne es zu merken, lebst du dich wie von selbst in die Antworten hinein.

Das ist natürlich das genaue Gegenteil von: Ich biete schnelle Lösungen. Das ist eher: Bleib mal hier. Halt das mal aus. Sei neugierig auf das, was sich noch nicht sortieren lässt.

Kommt heutzutage nicht so gut an. Für mich beginnt es aber genau dort.

Mit dem Ablösen von Gewissheit. Mit dem Aushalten von Nichtwissen. Mit dem Sortieren von Gedanken, die sich widersprechen dürfen. Mit dem Mut, auch das auszusprechen, was man selbst noch nicht mag oder noch nicht sauber formulieren kann. Ja, das ist langsamer und Unbequemer und deutlich weniger sexy als ein schnelles Lösungsversprechen. Aber so etwas nennt sich wohl persönliche Entwicklung.

(Bild KI generiert)

Ordnung, die bleibt


Ich hielt vor ein paar Tagen ein kleines Notizbuch fest. So fest, als könne es mir etwas erklären, was mir niemand mehr erklären kann. Als würde ich etwas festhalten, was mich eigentlich selber festhält.


Es war das alte Notizbuch meiner Mutter. Vor über 10 Jahren ist sie gestorben, und trotzdem war sie in diesem Moment sehr da. Dieses Buch war ihr Haushaltsbuch aus den 80zigern und in diesem Buch steht buchstäblich die handschriftliche Ordnung unserer Familie. 


Früher hat sie in solchen Notizbüchern alles geregelt, z.B. Dinge mit der Bank, den Essensplan (Mittwochs gab es immer Frikadellen), Urlaub, alltägliches u.s.w.

Sozusagen die Übersicht von unserem Leben aus dieser Zeit. Ich war da gerade mal ein Teenager, mein Vater noch berufstätig. Und nun hielt ich zufällig dieses Buch, sah ihre Handschrift, und las darin auch meinen Namen „Christoph".


Da, wo sie irgendwann mal eine Rechnung für mich bezahlt hatte. Oder die Klassenfahrt, Sportvereinbeiträge, eine etwas teurere Zahnarztfüllung. Wie immer ganz selbstverständlich, wie Mütter das eben tun. 


In diesem Moment bin ich meiner eigenen Geschichte begegnet, aber nicht in Gedanken, sondern in Tinte. Und ich habe mal wieder verstanden: Manche Trauer ist nicht „abzuarbeiten“, nicht dafür gemacht, irgendwann „leer“ zu sein.


Sie ist reichlich, weil die Liebe reichlich war. Trauer hat kein Datum, sie folgt keinem Kalender, keinem „Das ist doch schon so lange her“. Sie ist zeitlos, weil die Liebe zeitlos ist. Und was fehlt, fehlt nicht nur damals, es fehlt immer wieder neu: Wenn Ordnung gebraucht wird oder wenn jemand fehlt, der „das immer gemacht hat“. Wenn man plötzlich merkt: Oh, jetzt bin ich der Erwachsene im Raum.


Manchmal ist diese Trauer leise, wie ein Grundrauschen, und manchmal wird sie plötzlich laut, eben durch eine altvertraute Handschrift.


Das bedeutet nicht, dass etwas nicht verarbeitet ist, es bedeutet, dass Bindung bleibt. Vielleicht ist das der ehrlichste Gedanke von allen: Man trauert nicht, weil jemand fehlt. Man trauert, weil jemand immer noch dazugehört. Und das hört nicht auf, es verändert nur seine Form.


„Trauer ist Liebe, die nicht weiß, wohin.“ Und ja, das stimmt wohl, aber es gibt noch einen zweiten Satz: Manche Trauer verlässt uns nicht, um zu gehen, sondern um in uns Platz zu finden, damit sie bleiben kann, ohne weh zu tun. Was da fließt, ist nicht nur Verlust, es ist auch ganz viel Bindung, die ihren Weg sucht, jetzt, wo die alten Formen fehlen. Und vielleicht reicht es manchmal, das einfach nur zuzulassen.


Von Achtsamkeit und Rasierseifen


Warum ich ausgerechnet über Rasierseife blogge?
Wahrscheinlich, weil es für mich Themen gibt, die ich erklären möchte, und andere, die ich bislang nur mit mir selbst teile. Rasierseife gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Nicht, weil sie wichtig wäre im großen Weltmaßstab, sondern weil sie wie ein Ritual auf mich wirkt: still, zuverlässig und jeden Morgen aufs Neue.


Ich stehe da im Bad, noch etwas unsortiert im Kopf. Noch kein Bildschirm, kein Newsfeed, kein Gedanke daran, was ich verpasst haben könnte. Dafür aber warmes Wasser, ein Rasierpinsel, ein kleiner Tiegel mit Seife. Nicht viel aber von nichts zu wenig. Der Schaum entsteht nicht auf Knopfdruck, er entsteht, weil ich ihn anrühre. Von Hand, mit ein bisschen Zeit und Aufmerksamkeit. Und während ich den Pinsel drehe, merke ich oft erst, wie wichtig dieser Zustand für mich geworden ist: dass man wirklich da ist, ohne gleich irgendwohin zu wollen.


Und dann ist da dieser Duft. Wenn ich die italienische Marke Proraso öffne, riecht es nicht einfach nach Rasierseife. Es riecht nach 50ziger Jahre Barbershop, nach weißen Kacheln, nach Menschen, die sich nicht optimieren wollten, sondern sich vorbereiten auf den Tag. Keine Show, kein Parfumtheater. Stella Alpina erzählt wieder eine ganz andere Geschichte: von Bergen, Klarheit und Reduktion. Wie Edelweiß riecht? Hier erfährst du es. Eher so, wie frische Luft riecht, wenn man sie morgens zum ersten Mal durchs geöffnete Fenster atmet.


Diese Seifen sind für mich keine Produkte, sie sind kondensierte Kultur. So wie der Espresso am Nachmittag in Italien kein Koffeinlieferant ist, sondern ein Moment. Oder wie in Norddeutschland der Filterkaffee (...oh Verzeihung, der „Pour-over“) am Morgen kein Hipster-Gag ist, sondern eine stille Entscheidung, sich diese drei Minuten wirklich zu nehmen.


Früher gab es einmal ein Ideal von gepflegten Kerlen, das nichts mit Status zu tun hatte. Nicht eitel, sondern achtsam. Mein Papa gehörte dazu. Mein Opa auch, wieder etwas anders. Bei ihm gehörte auch noch Brillantine ins Haar. Das war kein Selbstzweck, sondern eine wohltuende Routine, fast schon Respekt vor sich selbst, vor dem Tag, vor dem Gegenüber. Heute wirkt das alles ziemlich altmodisch und vielleicht ist genau das sein größter Wert.


Denn unsere Welt verspricht zwar oft Ruhe, verkauft aber ständig Stress. Apps, die entschleunigen wollen. Menüs, die alles einfacher machen wollen. Knöpfe, die man drücken soll, statt uns etwas tun zu lassen. Meine Rasierseife macht das Gegenteil. Kein Button, kein Menü, kein Update. Nur analoge Handlung, bis etwas Duftendes, Cremiges entsteht, das gut riecht und sich sanft anfühlt.


Ich blogge nicht über Rasierseife, weil ich sie unersetzlich finde. Ich blogge darüber, weil sie mich erdet. Weil sie mich daran erinnert, dass Wellness nichts mit Luxus-Schaumbädern, Aromapods oder Achtsamkeitsrhetorik zu tun hat, sondern mit Handwerk, mit Wiederholung, mit einfachen Dingen, die man nicht wirklich beschleunigen kann. Analog ist kein Retro-Trend. Analog ist Gegenwind gegen den Zeitgeist und mit einem weichen Frotteehandtuch danach erstaunlich wirksam.


Und bevor jetzt jemand bei all dem das Wort „Macho“ in den Raum wirft und die Stirn runzelt: Ja, die Verwechslungsgefahr besteht wohl. Ich habe beim Schreiben allerdings eher „Gentleman“ im Kopf, auch so ein Begriff. Von Haltung, Pflege, vielleicht auch vom Türenaufhalten. Und nein, das ist kein Rückfall in patriarchale Nostalgie, im Gegenteil. Der Gentleman, von dem ich spreche, ist kein Überbleibsel alter Macht, sondern eher eine Antwort auf sie. Einer, der nicht glaubt, alles besser zu wissen, sondern sich selbst beherrschen zu können. Einer, der weiß, dass Aufmerksamkeit und Höflichkeit keine Hierarchie braucht und dass Respekt nicht kleiner wird, wenn man ihn anbietet. Die Tür hält er nicht auf, um zu posen, sondern weil er gesehen hat, dass da jemand kommt.


Aufmerksamkeit ist oft die Vorstufe von Achtung anderer. Wer sich morgens Zeit nimmt für sich, wer in diesem Sinne „Schaum schlägt“, wer lernt, geduldig mit der eigenen Haut umzugehen, entwickelt vielleicht auch ein feineres Gespür für andere Dinge. Für Zwischentöne. In diesem Sinn ist der Gentleman kein Gegenentwurf zum Feminismus, sondern sein leiser Verbündeter. Er kämpft nicht um Vorrechte und auch nicht gegen etwas. Er übt Achtsamkeit, Haltung und Selbstbegrenzung ein. Das habe ich zumindest von Papa und Opa gelernt, die übrigens beide sehr glücklich verheiratet waren, mit unglaublich tollen Frauen. Ich muss es wissen. 😉


Am Ende findet man diese Ruhe nicht, indem man sie irgendwo bestellt. Man findet sie, indem man sich auf den Weg macht. Vielleicht beginnt dieser Weg im Bad. Mit warmem Wasser, einer guten Seife und dem Entschluss, den Morgen nicht zu optimieren, sondern ihm zu begegnen. Und wenn das alles ist, was Rasierseife leisten kann, dann reicht mir das vollkommen.


(Die Markennennung ist übrigens unbezahlte Werbung. Habe ich nix von, finde ich einfach gut. Und das Bild ist KI generiert, analog siehts aber genauso gut aus ☺️)



Coaching bedeutet Gelassenheit

"Bang your Spam here"


Weil Schweigen meist reicht, oder: Die Dramaturgie der freundlichen Nötigung

Es beginnt oft harmlos. Eine E-Mail mit dem Betreff „Optimierungsvorschlag“ oder „Kooperationsanfrage“. Freundlich formuliert, professionell gestaltet, ganz unverbindlich im Ton. Auf den ersten Blick nichts Anstößiges, auf den zweiten allerdings auch nichts Persönliches. Kein Bezug zu mir, kein echtes Interesse an meiner Arbeit, kein erkennbarer Grund, warum ausgerechnet ich der richtige Ansprechpartner sein sollte. Es ist klassische Akquise, etwas schicker verkleidet.

Man erkennt das weniger an dem, was geschrieben steht, als an dem, was fehlt. Keine konkrete Anknüpfung an mich, kein eigener Gedanke, kein Risiko auf Absenderseite. Dafür Formulierungen, die ebenso gut an hundert andere gehen könnten und höchstwahrscheinlich tun sie das auch.

Ich habe nicht geantwortet. Nicht aus Trotz, nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus einem schlichten Grund: Ich möchte dieser Art von Akquise keinen „Ping“ zurückgeben. Schweigen scheint mir Antwort genug. Im analogen Leben funktioniert das erstaunlich zuverlässig. Im digitalen Vertrieb hingegen gilt es offenbar eher als „offener Zwischenstand“.

Drei Tage später kam dann folgerichtig die zweite "Nachfassen-Mail".
Wieder höflich und professionell, und vor allem planmäßig. Kein Zufall, kein spontanes Nachhaken, sondern Teil einer Struktur, denn genau hier beginnt das eigentlich Interessante. Denn diese zweite Nachricht will nichts Neues sagen, sie will etwas auslösen. Sie setzt darauf, dass Schweigen nicht als Entscheidung gelesen wird, sondern als Lücke, als schlechtes Gewissen.

Der Subtext ist leise, aber deutlich: „Ich weiß, dass Sie nein meinen, aber vielleicht meinen Sie ja nur noch nicht ja.“

Das wirkt nicht aggressiv, sondern fast freundlich, und gerade deshalb ist es so wirksam. Denn Menschen, die höflich sind, an klarer Kommunikation interessiert, mögen keine offenen Schleifen. Sie wollen Dinge einordnen, richtigstellen, sauber abschließen. Diese Dynamik nutzt der Absender. Nicht über Druck, sondern über Verantwortungsverschiebung. Plötzlich bin ich derjenige, der erklären muss, warum er nicht reagiert hat.

Was einen dann triggert, ist weniger die Anfrage selbst als ihre Schlichtheit. Denn wenn jemand mit standardisierten Massenmails arbeitet, ohne Bezug, ohne Tiefe, ohne echtes Interesse, stellt sich mir unweigerlich eine andere Frage: Wenn das hier euer Verständnis von Qualität ist, warum sollte ich mit euch zusammenarbeiten?

Was mich an solchen Momenten verwundert, ist dieser Glaube, ein Nein sei verhandelbar, wenn man nur freundlich genug bleibt. Dabei ist ein Nein keine Einladung, kein Dialogangebot und keine kommunikative Herausforderung. Es ist eine Grenze.

Und Grenzen sind ziemlich wohltuend. Sie sparen Zeit und Energie. Dazu reicht manchmal einfach Schweigen in Form eines innerlich gegossenen Betonpfosten, wo der Absender solcher Mails dann abprallen darf.

(Bild mit KI erstellt)


Projekt "47 Quadratmeter"


Meine Frau und ich wohnen auf 47 Quadratmetern. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Kein Loft, kein Wintergarten, kein Hobbyraum. Und ja, das war eine bewusste Entscheidung. Das war kein Notnagel, sondern eher ein Experiment: Geht das?


Wir wollten herausfinden, ob ein kleiner Raum zwei Leben tragen kann. Weniger Kosten, mehr Freiraum, ein kleiner ökologischer Fußabdruck, das klang vernünftig. Aber natürlich war da auch ein leiser Zweifel: Was, wenn wir uns gegenseitig auf die Nerven gehen? Wenn das Sofa zu klein wird für zwei? Heute können wir sagen: Es funktioniert. Und das sogar besser, als wir dachten.


Kleine Fläche, großer Raum

Der Trick liegt nicht in den Möbeln, sondern im Mindset. 47 physische Quadratmeter reichen locker, wenn die seelischen und geistigen qm weitläufig genug sind.


Wir führen viele Gespräche. Über Gott und die Welt, über Serien, Politik, alte Freunde und neue Ideen. Und wir führen sie mit echter Lust am Denken. Gleichzeitig wissen wir, wann Stille besser ist: Wenn einer Musik über Kopfhörer hört und der andere auf dem Sofa in die digitale Welt abtaucht, dann ist das kein Rückzug, sondern Respekt.


Echtes Interesse heißt nämlich nicht, ständig zu fragen, was der andere gerade macht. Echtes Interesse ist, ihr/ihm auch seine Ruhe zu lassen. Unsere Wohnung ist zu klein für falsche Höflichkeit und groß genug für Ehrlichkeit.


Natürlich braucht das Disziplin. Minimalismus funktioniert nur, wenn Ordnung herrscht. Auf 47 Quadratmetern kann man nicht „mal eben“ was ablegen. Tut man es doch, sieht’s schnell so aus, als hätte ein Orkan durchs Wohnzimmer gefegt. Aber das ist das Schöne: Äußere Ordnung zieht innere Ordnung nach sich. Man lernt, sich von Ballast zu trennen, auch im Kopf.


Weniger Dinge, mehr Leben

Wir haben keinen Geschirrspüler, keinen Kaffeevollautomaten, keinen begehbaren Kleiderschrank. Okay, ab und zu träumt die Frau doch von einem größeren Kleiderschrank und der Mann von einem weiteren Stück irgendwelcher Technik, welches man nirgends mehr unterbringen könnte.


Aber mal ehrlich, wie viele Bluetooth-Boxen braucht ein Mensch? Wie viele Pfannenwender, wie viele fast identische Hemden, wie viele Smartphones, deren Kamera noch ein Pixel mehr kann als die des alten, das längst in der Schublade zwischen Ladekabeln und der Erinnerung an das Nokia 6110 liegt?


Achtung, Moralkeule: Wir leben in einer Welt, in der Konsum zum Ersatzgefühl geworden ist. Besitz als Beruhigungspille. Und wer sie regelmäßig schluckt, gilt als erfolgreich. Ich ertappe mich selbst regelmäßig beim Habenwollen und frage mich: Will ich das wirklich? Oder will ich das Gefühl, das mir Werbung, Vergleich und Eitelkeit einreden?


Tyler Durden aus dem Film Fight Club hatte recht: „Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich.“


Die heimliche Währung ist Zeit

Der eigentliche Preis für Überfluss sind nicht die Euro, die von der Kreditkarte huschen, es ist Zeit. Zeit, die man braucht, um die Euro zu verdienen. Zeit, die man braucht, um das Gekaufte zu pflegen, zu warten, zu sortieren, zu reparieren.


Zeit, die man nicht hat, um auf der Terrasse zu sitzen und einfach mal die Sonne zu genießen. Manche in unserem Umfeld schuften sich durch ihre To-do-Listen: Outdoorküche, Autofuhrpark, neuester Technikkram, Gartenpavillion. Sie arbeiten sich an ihrer „Freiheit“ ab und sind dabei mega gestresst.


Wir sitzen derweil auf 47 Quadratmetern oder im Sommer auf unserer Mini-Terrasse (Gartenpflege? Zehn Minuten) und trinken Kaffee. Und wenn es doch mal mehr Weite sein soll, dann geht´s auf den Deich, die Elbe anschauen. Oder an die See. Wir haben ja Zeit dafür. Das ist kein Stolz, das ist auch kein Ätsch, nur eine Feststellung: Manchmal gewinnt, wer weniger zu verlieren hat.


Beziehung auf engem Raum

Wenn du mit jemandem auf 47 Quadratmetern lebst, gibt es kein Versteck für schlechte Laune und keine Mauer, hinter der du dich verbarrikadieren kannst. Du lernst, dich auszuhalten. Den anderen auch. Und zwar echt. Wir haben gelernt, dass Nähe nichts mit Quadratmetern zu tun hat. Sie entsteht nicht durch viel Platz, sondern durch gegenseitige Erlaubnis: Du darfst du sein. Ich darf ich sein. Und wenn einer mal durchhängt, darf er das auch.


Fazit

Vielleicht ist Verzicht ja kein Verlust, sondern ein Upgrade in Achtsamkeit? Vielleicht ist Minimalismus gar kein Trend, sondern eine Liebeserklärung an das Leben?


Und vielleicht ist die größte Freiheit nicht, alles zu haben, sondern nichts mehr zu müssen. 47 Quadratmeter reichen dafür völlig.

Wie mich mein Netzwerk neue Einsichten lehrte oder:

Wenn die mentalen Bauklötze fliegen


Ich hatte das Vorhaben, auf meiner Website eine kleine Netzwerkseite bauen. Nichts Großes.
Ein digitales Schaufenster, das zeigt:
Hier gibt’s Menschen, die was können, was ich nicht kann und die ich gern weiterempfehle.


Das war der ganze Plan. Klang simpel. War’s aber nicht.


Denn kaum waren die ersten Entwürfe online, verwandelte sich das Ganze in eine Art Social-Media-Casting. Ich bekam Mails, als hätte ich versehentlich eine Ausschreibung für die neue Staffel „Germany’s Next Netzwerkpartner“ gestartet:


Mein Foto und Text bitte weiter oben.
Dein Seitenaufbau gefällt mir nicht.
Ändere mal dies und das.


Ich nahm einen Schluck Kaffee und dachte:
Ach guck - aus Teilen meines Netzwerks ist ein Hormonhaushalt geworden.


Innerhalb weniger Stunden wurde aus einer Kooperationsidee eher eine Chaostherorie.
Jeder hat seine Wünsche und Bedürfnisse, klar. Aber keiner eine Bremse. Die Idee bekam mehr und mehr Ballast. Ich schrieb zurück, erst höflich, dann kürzer und irgendwann brauchte ich einfach eine Pause zum Durchatmen.


Ich hab’s ja beruflich schon öfter erlebt: Menschen, die besonders viel Anerkennung suchen,
Menschen die sich im Mikromanagement verlieren, weil Kontrolle ihnen das Gefühl gibt, etwas im Griff zu haben. Nach außen hin geben sie sich dabei oft total sozial und liberal:
Alles darf sein, du …bis es jemand auf die Probe stellt. Dann wird’s plötzlich eng im freien Denken.


Im Job als Businesscoach gehört das dazu, da bleibt man methodisch und vertraut dem Coachingprozess. Aber diesmal war’s eben auf eigenem Terrain, innerhalb des eigenen mentalen Burgfrieds. 


Und da will man nicht dauernd gegenanarbeiten. Da möchte man entspannt an Ideen basteln.


Ich kam mir in dem Moment ein bisschen vor wie Leonard Hofstadter aus der Serie The Big Bang Theory: Er bekommt in einer Folge ein kleines Uni-Budget, alle wollen ihren Anteil, und am Ende sitzt er erschöpft da, weil jeder etwas „nur ganz Kleines“ will, bis nichts mehr übrig ist außer seinem schlechten Gewissen, es keinem Recht zu machen. Er beginnt als freundlicher Moderator, erlebt sich dann als müder Schlichter und am Ende behält er das ganze Budget für sich. Ätsch.


Ich musste feststellen: das passt! Irgendwie war das hier mein ganz persönliches Spin-off. Das war also meine Lektion in dem ganzen Spiel? Okay, dazugelernt!


Spontan schoss mir folgerichtig ein Gedanke durch den Kopf: Danke, das war’s - und ich tat, was jede Erzieherin tut, wenn die Bauklötze im Hort fliegen: Ich räumte das Spielzeug ein und begrub das Projekt „Netzwerk“.


Und während ich da saß, die letzten Mails las und dann den Laptop zuklappte, wurde mir klar:


Manchmal ist Loslassen wohl klüger als Durchhalten. Man muss nicht jede Idee retten, wenn man dabei gegen den Wind segelt. Es heißt, den Dingen ihren natürlichen Kurs zurückzugeben und sich selbst am besten gleich mit. 



Die stillen Helden im Maschinenraum


Die stillen Helden im Maschinenraum


Da sind sie, die langjährigen Mitarbeitenden. Seit Jahren im Unternehmen, erfahren, loyal, mit einer Art innerem Landkartenwissen. Wo die Abkürzungen liegen, wo die Stolperfallen lauern, welche Türen man besser nicht öffnet, weil sie quietschen. Sie wissen, was geht und auch, was nicht funktionieren wird.


Doch gehört werden sie selten. Denn jedes Mal, wenn beispielsweise eine neue Führungskraft kommt, beginnt oft das gleiche Spiel: Es geht nicht um Inhalte, sondern um Reputationsbildung. Man diskutiert, ob die Excel-Tabelle nun in Grün oder Rot schöner aussieht, ob Times New Roman seriöser ist als Arial, oder ob es eine weitere PowerPoint braucht, die den Titel trägt: Vision 2030 - Wir nehmen alle mit.



Buzzword-Bingo als Geschäftsmodell


Weil das irgendwann auffällt (Stichwort Sinkende Mitarbeiterzufriedenheit), passiert, was immer passiert: Man holt Externe. Für Summen, die in manchem Jahresbudget den Posten „Fuhrpark“ locker sprengen. Und dann ziehen sie ein, die Beraterkolonnen. Mit Chartshows, Roadmaps und PowerPoint-Schlachten.


Mit Sätzen wie: Wir müssen agiler werden. Die Kommunikation ist zu schwach. Es fehlt an Mindset und Ownership. Manchmal, ganz raffiniert, auch: Wir brauchen jetzt Quick Wins.


Das Absurde: Genau diese Quick Wins haben die stillen Helden schon vor Jahren vorgeschlagen. Im Mahnwesen, beim Chatbot, in der Prozesskette. Nur, dass damals niemand hingehört hat.



Die Spirale der Frustration


Es folgt die übliche Dramaturgie: Die Externen werden gefeiert, erste Euphorie weht durch die Flure, bis die Realität anklopft. Die Lösungen der Berater funktionieren nicht langfristig, viel zu allgemeine to-do-Schablonen passen nicht, und plötzlich klebt das schöne Puzzle der Consultingwelt wie schlecht geschnittene Tapete an der Wand.


Die Folge? Noch mehr Kontrolle. Noch mehr Einsparungen. Homeoffice? Gestrichen. Gehälter? Eingefroren. Die erste Entlassungswelle rollt.


Das Signal:
Wir vertrauen euch nicht mehr aber bitte seid jetzt hochmotiviert, hängt Euch richtig rein!

Was passiert? Genau das, was man verhindern wollte: Innovation versiegt, Motivation wird zu Dienst nach Vorschrift und plötzlich sieht das Gras auf der anderen Seite der Elbe ziemlich grün aus, sprich, man sucht nach alternativen Jobangeboten.



Coaching? Aber bitte die Richtigen!


Und dann kommt er, der Satz:
Hey Coach, kümmern Sie sich doch mal um den Kollegen Müller. Der scheint nicht mehr so motiviert.

Nein. Müller ist nicht das Problem. Müller braucht keine Motivationssprüche, er braucht funktionierende Prozesse und Strukturen, Verantwortlichkeiten, echtes Zuhören und das Gefühl, dass sein Wissen zählt.


Wenn jemand Coaching braucht, dann sitzen die Adressaten meist ein Stockwerk höher.


Aber dort klebt das Pflaster über den eigenen Fehlern besonders fest und man scheut den Schmerz, es abzureißen. Doch Coaching ist definitiv kein Trostpflaster für die Belegschaft. Coaching ist der Spiegel für die Führung.



Ein kleiner Realitäts-Check


Die stillen Helden im Maschinenraum sind nicht austauschbar. Sie sind die tragende Struktur, das unauffällige Rückgrat. Und sie können mehr zur Zukunft beitragen als jede noch so teure Folienflut.


Die Frage ist nur: Traut man sich, ihnen zuzuhören? Oder investiert man weiter in bunte PowerPoints, während die wahren Quick Wins ungehört im Flurfunk verhallen?


Ein kluger Kapitän hört auf seine Mannschaft, bevor er das Schiff ins Riff steuert.
Wer diesen Satz beherzigt, spart sich teure Gutachten…und vielleicht auch ein paar Kündigungen.



Auch schon ganz KI?


Sind Sie auch schon bei ChatGPT angekommen?


Ich bin mittlerweile 53 Jahre alt. Vielleicht schaue ich deshalb mit etwas anderen Augen auf die KI-Welt als jüngere Menschen. Aber keine Sorge, das hier wird keine grantige Abrechnung mit ChatGPT und Co., nach dem Motto "früher war alles besser..." Ganz im Gegenteil.


Meine Generation durfte die Anfänge der digitalen Denkmaschinen für jeden miterleben. Für mich ist das heute gefühlt ein großes Privileg. Mein erster Homecomputer war ein Commodore VC-20 mit 5 Kilobyte RAM, das ist weniger Speicher als heute ein Staubsauger hat. Programme schrieb ich damals in BASIC, ein paar Zeilen Code, die Datasette ratterte, der Bildschirm war ein ganz normaler Röhrenfernseher.


Ich tippte ein:

10 PRINT "HALLO"

20 GOTO 10


und plötzlich blinkte da ein „HALLO“ in Endlosschleife. Keine Raketenwissenschaft, aber ein kleiner Durchbruch meiner Programmierneugier im Kinderzimmer. Das war für mich wie Magie.


In den frühen 90ern hatte ich das Fach „Datenverarbeitung“ als Prüfungsthema im Abi: Wie funktioniert denn nun ein Nadeldrucker, wie arbeitet eine CPU, was genau liest ein Speichermedium? Ein paar Jahre später machte ich meinen Fachwirt an der "Akademie für Finanzwirtschaft und Informationstechnologie" in Hannover. Der Name ist Programm. Wir tauchten ein in eine Welt, in der sich Bilanzen und Bits die Hand gaben. Es war das Zeitalter der Modems, man piepste und rauschte durchs Internet. KI? Damals hiess es noch "Expertensysteme", KBS/Knowledge Based Systems. Und es gab einen Schachcomputer namens "Deep Blue" von IBM, der es wagte, Garri Kasparow (damaliger Schachweltmeister) herauszufordern - und gewann!


Heute klingt das ziemlich veraltet. Aber genau dieses Grundwissen war für mich ein Nachlass mit Zinsen: Ich habe die Quellen gesehen. Ich habe (zumindest in Teilen) verstanden, wie es aufgebaut ist.


Auf den Schultern der Grundlagen


Man muss kein Mathe-Genie sein um zu wissen: Ohne Dreisatz und dem 1x1 wird´s mit höherer Mathematik nichts. Die Grundlagen sind das Sprungbrett, ohne Sie läuft nicht viel, sie machen Großes durchschaubarer.


Klar, ich schreibe heute keine einzige Programmzeile mehr, aber ich hantiere für den Hausgebrauch immer noch gern damit. Meine Website bauen und pflegen, Domains einrichten, Mailprogramme sauber aufsetzen, SEO optimieren und nebenbei Cookies und die DSGVO beachten. Dieses innere Verständnis, was gebraucht wird, damit es funktioniert. 


Ich habe gelernt:


  • Technik fällt nicht vom Himmel
  • Systeme haben Schichten
  • Alles baut auf dem Vorherigen auf


Von der Datasette bis zur KI gilt offenbar dasselbe Prinzip von Ordnung, Struktur, Austausch. Das ist im Grunde wie ein evolutionärer Bauplan, gilt irgendwie für alles. 


Weil es in aller Munde ist: ChatGPT, das Wunderkind


Das Missverständnis vieler Artikel und Diskussionen zur Zeit? Sie behandeln ChatGPT, als hätte es Launen. Die neue Version 5 ist zu nüchtern im Antworten! 4o war viel kreativer! Das ist wie zu sagen: Mein Toaster ist heute irgendwie lustlos, er macht die Brotscheiben so blass!


Ich glaube, die internen Regeln haben sich lediglich geändert. Viele reden aber über die KI, als ob sie ein Mensch wäre, der plötzlich anderer Laune ist. 


Niemand würde sagen: Windows ist beleidigt oder Excel versteht keinen Spaß mehr. Man würde sagen: Die Benutzeroberfläche hat sich geändert, jetzt brauche ich zwei Klicks mehr.


Veränderung ist ein Normalzustand. Menschen wachsen, Maschinen werden weiterentwickelt, Systeme angepasst. Wer alles zusammen denkt, landet bei dem, was so fasziniert: Evolution als Treibsatz für „ewiges Basteln am Nächsten“.


Und wie bei meinem alten VC-20 gilt: Wenn du die Basics verstehst, dann verstehst du auch, was du erwarten kannst - und was nicht. Es macht wirklich sehr viel Spaß mit ChatGPT zu arbeiten oder einfach mal mit ihm

"herum zu philosophieren". Aber auch wenn die Illusion des künstlichen Bewusstseins nahezu perfekt scheint: Da ist kein ICH, kein inneres Echo. Wirklich nicht. Hat mir "mein" ChatGPT selbst bestätigt😉 Aber das macht nichts, ich kann mich ebenso an einem Kaminfeuer wärmen, auch wenn ich weiß, das es bloß elektrisch ist. Und ChatGPT ist wirklich ein großer Wurf. Ich möchte es jedenfalls nicht mehr missen. Und ich gehe mit ihm durchaus in Resonanz, wie ein gut geführtes Selbstgespräch.


Fazit:


Ich muss keine neue Prompt-Sprache komplett auswendig lernen, ich sollte aber verstehen, dass es sich um eine Maschine handelt, die mit Mustern und Wahrscheinlichkeiten arbeitet und ein Gefühl für dessen Aufbau entwickeln. Es gibt da mittlerweile auch für Laien wie mich ziemlich gute Bücher und Blogs dazu.


Und wenn es trotzdem mal nicht funktioniert?
Dann zieht halt den Stecker und steckt ihn wieder rein. Hat beim Nadeldrucker auch immer funktioniert.☺️

Vom Meer zum Muh oder:

Wie der Urlaub mich aus meiner Komfortzone schubste

Als bekennendes Nordlicht, das sich vom Möwengeschrei in den Schlaf wiegen lässt und bei steifer Brise Glücksgefühle entwickelt, ist ein Urlaub an der See eigentlich keine Entscheidung, sondern ein Reflex. Ostsee = Heimat. Salzwasser in den Adern. Und trotzdem war es dieses Jahr anders.


Wir wollten raus. Aber eben richtig raus, nicht nur von einer Gewohnheit in die nächste. Denn so sehr das Rauschen der Wellen ein inneres Reset auslöst, so ist es halt doch ein alter Bekannter, der einem freundlich auf die Schulter klopft und sagt: „Na, wieder du?“


Und dann war da diese Stimme. Meine innere Stimme. Leicht schnippisch, leicht übergriffig:

„Aha. Du willst also anderen beim Verlassen der Komfortzone helfen, aber selbst planschst du weiterhin im seichten Gewässer des Altbekannten herum? Wachstum, neue Impulse, Perspektivwechsel? Gilt das eigentlich nur für deine Klienten oder darfst du selbst auch mal aus der Kuscheligkeit des Bekannten kriechen?“


Touché.


Wir packten also das Auto, metaphorisch auch unsere inneren Widerstände, und machten uns auf den Weg. Bonn. Karlsruhe. Lindau. Wunderschön! Rheinromantik. Bodenseebrise. Aber - du ahnst es - wieder Wasser.

Doch dann: Das Allgäu.


Das Wort allein klingt wie ein Butterbrot auf einer karierten Tischdecke.
Es war, wie soll ich sagen…
postkartenschön. Und dabei authentischer als alles, was ich in den letzten Jahren bereist habe. Kuhwiesen, Bäche, Menschen, die "grüß Gott" sagen und es nicht ironisch meinen.


Ein Beispiel, das mir im Herzen bleibt:
Ich stehe in einer Apotheke. Viel los. Stressig. Samstag in der Innenstadt von Kempten. Und trotzdem werde ich beraten, als wäre ich der einzige  Mensch im Raum. Am Ende fragt mich die Apothekerin, fast zu sich selbst murmelnd: 
„Was kann ich Ihnen denn noch Gutes tun…?“  Und verschwindet. Kommt zurück mit einem selbstgemischten Muskelöl für meine wandergeplagten Waden. Einfach so. Also… nicht einfach so. Sondern mit einem Lächeln, mit Wärme, mit echter Zuwendung. Ohne Verkaufsabsicht. Ohne QR-Code.


Was war das? Gastfreundschaft? Menschlichkeit? Magie? Wahrscheinlich alles zusammen. Was bleibt sonst hängen?


Saubere Straßen und Wege, Käsekuchen wie aus einem Parallelgenuss-Universum, und Kühe. Viele Kühe. Wirklich viele.
Wer morgens von einem Kalb angeblökt wird, das direkt an der Terrasse grast, denkt plötzlich über den Sinn urbaner Lebensmodelle nach.


Was nehme ich mit aus diesem Urlaub?


1. Komfortzone verlassen lohnt sich, auch wenn es daheim erst mal kratzt.
Die Komfortzone ist wie eine liebgewonnene Jogginghose, bequem, aber nicht gerade sexy. Und während du dich in ihr einrichtest, entgeht dir draußen das Leben in HD. Veränderung fühlt sich erst mal unbequem an, wie neue Wanderschuhe. Aber genau darin liegt der Zauber, denn 
wenn du mutig genug bist, dich selbst zu überraschen, überrascht dich die Welt vielleicht zurück.  Und Nein, Veränderung muss nicht gleich ein Bungee-Sprung oder Sabbatical am Nordpol sein. Manchmal reicht es, statt „Moin“ mal „Grüß Gott“ zu sagen und statt Wattwanderung eine Alm zu erklimmen. Die Höhenluft wirkt Wunder, auch mental.


2. Frische Heumilch & selbst gebackener Käsekuchen  sind keine Kalorien, sie sind eine Offenbarung.  Und ich bin jetzt bekehrt.


Fazit:

Es gibt ein Leben außerhalb von Elbe, Deich und See. Und manchmal liegt es direkt hinter einer Kurve im Allgäu, wo Kühe glücklicher aussehen als so mancher Stadtmensch mit Digitalabo.

Ich komme wieder. Vielleicht nicht für immer, aber gern auf Teilzeit. (Und als jemand, der sein Muskelöl inzwischen wie einen Schatz hütet.)



Ein Klassiker im Coaching: Das Eisenhower-Prinzip

Was passiert eigentlich, wenn ich eine Aufgabe nicht sofort erledige oder diese nicht von mir persönlich bearbeitet wird?


Der ehemalige General und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower mag sich diese Frage wohl öfter gestellt haben, wenn er seinen prallvollen Schreibtisch ansah. Er drückte sein Dilemma einmal in einer seiner Reden folgendermaßen aus: „Ich habe zwei Arten von Problemen, die dringenden und die wichtigen. Die Dringenden sind nicht wichtig, und die Wichtigen sind niemals dringend.“

Okay, malen wir einmal ein Quadrat auf ein Blatt Papier, ziehen ein Kreuz hinein und in den vier Quadranten schreiben wir folgendes:



WICHTIG & DRINGEND  -  WICHTIG, NICHT DRINGEND

NICHT WICHTIG, DRINGEND  -  NICHT WICHTIG, NICHT DRINGEND



Eine Priorisierungs-Matrix liegt nun auf dem Tisch. Der Unterschied, was wichtig und was dringend ist, will herausgefunden werden.

Wichtig ist alles, was einen „Impact“ erzeugt, also dich oder dein Projekt sinn- und wirkungsvoll weiterbringt.
Dringend sind hingegen schlicht Deadlines oder fixe Termine. Je näher im Terminkalender, desto dringlicher. Also: Wenn du eine Aufgabe mit großem Impact und nahem Termin vor dir liegen hast, dann hat diese Aufgabe für dich höchste Priorität. Sie ist wichtig und dringend. Erst dann reihen sich die anderen Tätigkeiten ein: Aufgaben mit weniger Zeitdruck, die aber deine Projekte voranbringen, also wichtig, aber nicht dringend sind, werden mit Priorität Zwei erledigt. Dann noch der Alltagskram, der täglich gemacht werden muss, also keinen Impact erzeugt, aber eben dringend notwendig ist. (Morgens die Bürotür aufschließen wäre wohl zu Arbeitsbeginn ganz praktisch, Post versenden auch, etc.) Zu guter letzt das, was nicht wichtig und nicht dringend ist…na, das kann dann ja wohl weg - Stop. Warte mal.

Viel wurde bereits über das Eisenhower-Prinzip geschrieben, und in fast allen Ratgebern dazu findest du die Meinung, dass Inhalte im vierten Quadranten „nicht wichtig und nicht dringend“ in den Papierkorb befördert werden können. Hm, ja. Dann hättest du wieder mehr Zeit für die anderen drei Quadraten oder schaufelst dir Zeit frei. Aber wie wäre denn folgender alternativer Ansatz zu Quadrant Vier: Du lässt ihm seine Berechtigung, reservierst ihm sogar Zeit ein,
um schlicht eines zu tun: Nachzudenken.

Er könnte sich zu einem der wichtigsten Quadranten für dich entwickeln, denn hier darfst du dir Zeit nehmen, um zu reflektieren, zu sinnieren, Visionen und Ideen zu entwickeln, Gedankenspiele zu haben und deinem geistigen Horizont im Alltag die Weite geben, die er braucht, um (geistiges) Wachstum stattfinden zu lassen.
Hier sammelt sich dein Treibstoff für Innovation!

Nicht ohne Grund kommen viele Ideen morgens im Bett oder unter der Dusche, weil man sich dort noch treiben lassen kann. Ich persönlich notiere dann meist direkt nach dem Duschen diese Dinge als Reminder auf meinen Flipchart. Es ist nämlich ein Unterschied, ob du am Schreibtisch produktiv die Arbeit „wegschaffst“ oder Ideen produzierst, die dir vorher noch nicht in den Sinn gekommen waren und erst durch die Möglichkeit der geistigen Weite „produziert“ werden konnten. Neben der reservierten Zeit ist oft auch ein Ort abseits des produktiven Schreibtisches, auf dem noch unerledigte Dinge liegen, hilfreich.

Dinge wie Originalität und Kreativität geben dir übrigens auch die Möglichkeit, nützliche von unnützen Aktionen zu trennen, da du es ja vorher bereits schon einmal durchdacht hast. Die Chance auf zukünftige Zeit-, Geld- und Energie-ersparnis bei maximaler Ideenausbeute kann also immer dann stattfinden, wenn du ganz „unwichtig“ und ohne Zeitdruck aus dem Fenster schaust.


Wenn du demnächst so einen Zeitgenossen bei dieser Tätigkeit beobachtest, erinnere dich daran, dass dieser vielleicht gar nicht faulenzt sondern sehr aktiv die Geschicke seiner Zukunft plant und lenkt.


(Aus dem Buch: "Deine Schuld, wenn´s danach besser läuft!" - bestellbar bei Amazon)


Das Eisenhowerprinzip in Coaching und Beratung

Ein paar Gedanken zur Weihnachtszeit



Weihnachtszeit bedeutet für viele von uns Gemütlichkeit, Familie, Freunde, Zimt und Lebkuchen. Doch wie kannst du damit umgehen, wenn die Feiertage auch mal Nachdenklichkeit oder gar Frust für dich selbst oder dein Umfeld bedeuten? Hier ein paar Gedanken dazu.


Was du für dich selbst tun kannst:


  • Es ist in Ordnung, wenn Dinge nicht immer so optimal laufen, wie es andere von uns erwarten oder die Werbung es uns vorgaukelt. Schenke dir selbst die Erlaubnis, die Feiertage auch auf deine eigene Weise zu gestalten.


 

  • Schaffe in der Vorweihnachtszeit Rituale, auf die du dich freust: Ganz altmodisch der halbstündige Spaziergang am Nachmittag, die zwei Folgen jeden Abend von deiner Lieblingsserie, beim Videochat sich mal eine Kerze anzünden - egal, solange es dir gut tut.


  • Versorge deine „kleinen Werftarbeiter im Kopf“ mit Arbeit: Eingestaubte Kontakte mal wieder treffen, (ein heißes Getränk auf dem Weihnachtsmarkt geht super dafür), mal etwas neues lernen (z.B. musisches wie einen Blog schreiben oder Gitarre spielen) oder ein Buch lesen über ein Thema, mit dem du dich noch nicht befasst hast.


  • Falls du Weihnachten ohne Familie oder Freunde verbringst oder viele Stunden auf der Hin- oder Rückreise in der Bahn sitzt: Es ist normal, verschiedene Emotionen zu haben. Melancholie? Klar, auch die. Wichtig ist, daß du dich danach wieder bewusst für neue, positive Erfahrungen entscheidest. Und wenn du das Gefühl hast, Unterstützung zu brauchen: Suche das Gespräch mit einer vertrauten Person oder einem professionellen Berater. Das hat nichts mit Schwache zu tun sondern mit Mut und Selbstfürsorge.


…und wie kannst du selbst jemandem unterstützen, der mit Weihnachten „immer so seine Probleme hat“?


  • Als Freundin oder Freund ist es wichtig, Empathie und Unterstützung zu zeigen, wenn dein Gegenüber möglicherweise mit verschiedenen Emotionen konfrontiert ist oder zwischenmenschliche Herausforderungen bewältigen muss. Lass´ es sie oder ihn wissen, das diese Gefühle okay sind und das du da für sie oder ihn bist.


  • Betone die Bedeutung von Zuversicht. Hilf´ dabei, Situationen zu akzeptieren, die nicht geändert werden können, und besser den Fokus auf Dinge zu legen, die positiv beeinflussbar sind. Das Loslassen von unrealistischen Erwartungen und Perfektionismus kann oft eine Erleichterung sein.


  • Denke daran: Es gibt keine „One-Size-Fits-All“-Lösung. Ein einfühlsamer Ansatz, der auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche deines Gegenüber eingeht, ist aber immer ein guter Anfang.


In diesem Sinne. Ich wünsche dir eine schöne Weihnachtszeit!

Dein Christoph


Was ich von erfahrenen Kriseninterventionsberatern

lernen durfte


Was ich von erfahrenen Kriseninterventionsberatern lernen durfte: 
Die Bedeutung der Begriffe „Stabilisierung“ und „Destabilisierung“ in Krisen


Stabilisierung als entscheidender erster Schritt: Stabilität bietet einen emotionalen Anker und ermöglicht es dem Gegenüber, sich sicherer zu fühlen und einen Überblick über seine Situation zu gewinnen. Mitunter ist es auch das einzige Ziel, erstmal den Sturm im „Gefühls-Ozean“ zu überstehen und sicher ans Ufer zu schwimmen – um dann nach dem Vertreiben des „psychologischen Nebels“ (Vera Birkenbihl) vielleicht erleichtert festzustellen, das es eigentlich nur ein Planschbecken war, in dem man gestrampelt hat. Gemäß dem Motto: „Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus“.

Aber eben nicht immer.

Stabilisierende Maßnahmen können auch strukturierte Aspekte umfassen, wie die Identifikation von unterstützenden Ressourcen oder die Entwicklung von Bewältigungsstrategien. Dort verlasse ich dann den Modus Krisenintervention und „docke“ mit meiner Arbeit als Coach an. (Anmerkung: Krise ist hier nicht als krankhafter Zustand gemeint sondern als temporäre Überforderung der beruflichen oder privaten Lebensumstände und kann jede psychisch gesunde Person treffen.)

Im zweiten Schritt ist die positive Destabilisierung als Impuls für Wachstum und Veränderung oft eine gute Idee. Hierbei geht es nicht darum, Verwirrung oder Unsicherheit zu schaffen, sondern vielmehr darum, Menschen zu ermutigen, ihre Komfortzone zu verlassen, neue Perspektiven zu erkunden und Handlungsfähigkeiten zu erweitern. 

Hier geben wir unserem Gegenüber also nicht die Rettungsweste, sondern die Angel in die Hand und ermutigen sie, das Gewässer der Möglichkeiten zu erkunden.

Die Kunst besteht darin, die richtige Balance zwischen Stabilisierung und positiver Destabilisierung zu finden, ohne wie ein Artist auf dem Seil herumzuwackeln. Jeder Mensch und jede Situation ist einzigartig, daher ist es entscheidend, auf die individuellen Bedürfnisse und den aktuellen Zustand der Person einzugehen. Flexibilität ist das Zauberwort.



Wie soll es denn stattdessen sein?


Viele Menschen stecken in ihren Problemen fest und ja, es muss darüber geredet werden, das tut immer gut. 


Wenn die Gedanken allerdings festgefahren sind und keine „Lösungsausfahrt“ von der Problemautobahn genommen werden kann, ist die einfache Frage „Wie soll es denn stattdessen sein?“ oft ein kleines Wunder. 


Es wird damit aufgefordert, über eine neue POSITIVE Situation nachzudenken, daher kommt oft als erste Antwort:“ Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht…!“


Eben! ☺️ Dann sollte man damit anfangen, denn Veränderungen sind auch immer neue Gedanken, eine „Destabilisierung zum Besseren“. 

So etwas kostet allerdings Energie, und die möchten wir doch von Natur aus sparen. Also deshalb weiter unzufrieden sein? 


Mit einem guten Coach erfahren Sie eine sinnvolle „Kosten-Nutzen Rechnung“ dieses Aufwands.


Glaubenssätze, die man einreißen sollte


Manchmal enttarnen sich Glaubenssätze im Coachinggespräch, die definitiv nicht nützlich für ein wirkliches Vorankommen des Klienten sind. Es hat sich meiner Erfahrung nach bewährt, dann das „Pflaster abzureissen“ und in Konfrontation mit diesen Glaubenssätzen zu gehen. 


Meist mit zweierlei Arten von Folgen:


1. Dem „Schock“ folgt die Heilung und es geht danach meist viel schneller und erfolgreicher weiter


2. Es wird das Weite gesucht, das Pflaster wieder sorgsam raufgeklebt, der Schein gewahrt und dem Coach gekündigt😉



Coachings von der Stange


Neulich habe ich in einem Magazin gelesen, das Coaching mehr und mehr zu einer "Uniformität der Gecoachten" führt. Jeder benutzt mit einmal die gleichen Phrasen wie "Ich verstehe ihren Punkt" oder "Sie geben da einen wichtigen Impuls". Hach, klasse! Wenn Sie dafür wirklich Geld ausgeben möchten, melden Sie sich gerne! Meine Phrasendreschmaschine ist vollgetankt und startklar. Nein, ehrlich, das macht so gar keinen Spaß. Aber ich verstehe den Ansatz des Artikels. Und ich gebe ihm recht.


Wenn solche Gespräche (insbesondere individuelle Life- oder Businesscoachings) ähnlich wie Fast-Food Bestellungen am Drive-in durchgeführt werden, nämlich immer mit den gleichen Zutaten oder rhetorischen Standardsätzen, noch ein bisschen pacing & leading (Beeinflussung durch Körpersprache) obendrauf und der Gesprächspartner dann so "vollgedröhnt" wieder nach Hause geschickt wird, hat der Coach seinen Job verkackt (sorry) oder er kann es schlicht nicht besser. Professionelles Coaching ist eben nicht von der Stange. Es bedarf sehr viel individuelles Interesse an der Situation des Klienten, denn jeder Jeck ist nunmal anders. 


Erst wenn sich aus den Coachinggesprächen eine individuelle Lösung herausschält, die sich richtig gut für den Klienten anfühlt, ist ein Coaching ein Erfolg. Das hat jedoch mit viel Arbeit zu tun - und zwar für beide Seiten des Tisches. Ansonsten schmeisst man als Klient sein Geld zum Fenster raus.


Life and Jazz - they are best when improvised



Denk´ an ein Piano. Die Klaviatur fängt an und endet.

Sie hat 88 Tasten und niemand kann dir etwas anderes erzählen.

Sie ist nicht unendlich.

Du bist unendlich.

Und auf diesen Tasten kannst du Musik machen, und die ist unendlich.

Das gefällt mir! Damit kann ich umgehen!


aus dem Film "Die Legende vom Ozeanpianisten"


4 Millionen

Circa. 4 Millionen Menschen in Deutschland haben eine seltene Erkrankung. Ich bin einer davon.


Ich habe für mich im Laufe der Zeit Wege entwickelt und Menschen gefunden, die mir helfen damit umzugehen. Allerdings war es von der Suche nach der Ursache über die erste (vernünftige) Diagnose bis zur professionellen Behandlung ein weiter Weg. Auch die sozialen Aspekte sind dabei „nicht ohne“. Von Verständnislosigkeit, warum z.B. schon wieder kurzfristig ein Treffen abgesagt werden musste über Besserwisserei („…such Dir mal einen vernünftigen Arzt“) bis zu Vermutungen verschiedenster Art war und ist alles dabei.


Ich habe festgestellt, das es für mich nicht den einen Hebel für den Umgang mit diesen Umständen gibt, sondern mehrere. Wie in eine Art Methodenkoffer greife ich regelmäßig hinein und komme deshalb gut mit diversen Umständen klar.


Ich bin weder Arzt noch Therapeut und will diese keinesfalls ersetzen, das ist mir wichtig zu erwähnen. Ich biete keine Diagnose, Behandlung oder Heilsversprechen. Mir als Coach geht es darum bei diesem Thema dort zu unterstützen, wo es Sinn macht Dinge systemisch zu beleuchten, Argumentation und Kommunikation zu verbessern, Missverständnissen vorzubeugen, die eigene Sichtweise zu betrachten, positiv zu beeinflussen oder Dinge auch mal ziehen zu lassen.



Coaching ist nicht immer die Lösung


Wenn MitarbeiterInnen unter zunehmenden Stress oder Arbeitslast leiden, ist es oft nicht nur mit einem Coaching getan, so gut es auch gemeint ist. Die Gretchenfrage lautet doch am Anfang: Was führte zu dieser Belastungssituation? Die eigenen Wahrnehmungsfilter des/der Betroffenen oder die Strukturen und Prozesse innerhalb des Unternehmens, in denen der/die Betroffene steckt? Ich habe schon gestandene Persönlichkeiten in Coachings erlebt, die an inkompetenten Führungskräften, sinnloser Bürokratie, unklaren Prozessen und ungeklärten Zuständigkeiten verzweifelten. Die Folgen in Form von Frust und gefühlter Hilflosigkeit können symptomatisch besprochen werden, klar. Aber die Ursache muss abgeklärt werden, und wenn sich in Unternehmen diese Symptome häufen, stellt sich die Frage: Ist hier wirklich ein Coach gefragt? Oder doch eher ein/e fähige ProzessmanagerIn, die mit der nötigen "Macht" ausgestattet dann endlich die maroden Strukturen und Prozesse hinterfragt, aufbricht und verbessert. Saubere Prozesse wirken da Wunder, und das sage ich hier als Coach.



Jede Veränderung hat ein Preisschild


Verändern ist oft schwer…sehr schwer. So ehrlich wollen wir mal sein.

Wir versuchen, bestehende Verhältnisse zu beeinflussen, aber „das System“ muss diesen Versuch auch zulassen. Ansonsten werden Widerstände geweckt - die Hartnäckigsten oft in uns selbst.

Eine Veränderung braucht also ein Ziel mit „Sogkraft“, um unsere Widerstände überwinden zu wollen, aber Achtung! Das kostet Energie, und die wollen wir doch von Natur aus sparen…ein Teufelskreis?🤨

Das „Danach“ muss attraktiver sein als das „Davor“. Sich das genau vorstellen zu können, ist schon mal ein guter Anfang. Reicht die „Ladung“, dann wird Energie investiert, der Benefit scheint dann höher als der Invest. Oder einfach ausgedrückt: Die Vorstellung, das mir meine Badehose wieder passt und ich eine „bella figura“ am Strand machen könnte, ist der Invest „Abnehmen“ wert.😇



Zitat des Tages

"Kommunikation funktioniert normalerweise nie, ausser zufällig"

(Osmo Wiio)


Leicht zu lernen und schwer zu meistern

„Sag mir, wie ein Projekt beginnt und ich sage Dir, wie es endet.“ (Projektweisheit)


Wenn ich als Coach in Projekten begleite, fällt mir oft auf, das bei vermeintlich einfachen „Basics“ die meisten Projektbeteiligten müde abwinken: „Jaja…kenne ich schon, ist doch klar…“ Vor allem bei Klassikern wie z.B. der SMART - Formel.

Sie erinnern sich?


S - Spezifisch

M - Messbar

A - Attraktiv

R - Realistisch

T - Terminiert


Oft scheitert es in der Praxis schon beim „S“.

Dieser Punkt ist nichts weiter als der Platzhalter für eine sorgfältige und allen Beteiligten verständliche Kommunikation über das, was das eigentliche Vorhaben ist und was es so mit sich bringt. Wenn hier nicht genügend Zeit und Sorgfalt investiert wird, kann ein Projekt schnell zu einem „Ressourcengrab“ in Sachen Zeit, Kosten, Manpower und Qualität werden und es sorgt vor allem für sehr viel Frust.


„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“ (Josef Anton Bruckner)


Eine erfahrene Projektmanagerin sagte mir einmal dazu: 
„Wenn wir vorne nicht sorgfältig genug denken und kommunizieren, dann fällt uns die ganze Choose hinten voll auf die Füße.“


Trotzdem scheint es das Schwierigste auf der Welt zu sein, hier erstmal Zeit zu investieren - stattdessen wird munter drauflos geplappert, was es z.B. schon alles tolles am Markt gibt, aber von einem eigenen konkreten Bestellzettel oder zumindest klarer Wunschliste („Warum machen wir das eigentlich?“) fehlt jede Spur. Man scheint ein Gespenst im Nebel zu verfolgen, und das ganze gleicht immer mehr einem Abenteuer denn einem Projekt. 



Coach = Mensch


Ich hatte neulich ein prima Kennenlern-Gespräch mit einem Klienten, der in seinem Leben beruflich wie privat etwas Neues beginnen möchte. Was mich sehr freute: Er fühlte sich durch meine kleinen Texte hier auf der Webseite angesprochen. Es senkte bei ihm, wie er sagte, das zögerliche Gefühl, sich mal bei einem Coach zu melden. 


„Warum das?“ fragte ich. 

„Weil ich bei meiner Recherche im Internet teilweise das Gefühl hatte, die kommen alle besser klar im Leben als ich - das motivierte mich nicht wirklich.“


Okay, ich denke es ist an der Zeit, einmal mit dieser Annahme aufzuräumen - zumindest starte ich hier einen Versuch und mache mich dazu mal "nackig":


Ich persönlich habe in meinem Leben die gleichen Sorgen und Probleme wie jeder andere auch. Mir gehen ebenfalls mitunter Dinge durch den Kopf, die ich nicht alleine lösen kann. Auch ich habe manchmal Probleme im Freundeskreis, in der Familie, im sozialen wie beruflichen Umfeld. Ich bin dann schlecht drauf, wütend, frustriert, grübelnd.


Mir hilft dann folgendes:


  • Ich weiß, daß ich nicht immer mein eigener bester Ratgeber bin, denn „im Falle der eigenen Betroffenheit sinkt der IQ gegen Null.“ (Zitat von einem meiner Ausbilder, Tom Rückerl, V.I.E.L Coaching)


  • Ich vertraue in Krisen den Prozessen, von denen ich weiß, daß sie funktionieren und investiere Zeit in das nötige Mindset


  • Ich vertraue der „Bedienungsanleitung Homo sapiens“ (wieder Tom Rückerl) 


  • Ich arbeite gern mit anderen Menschen zusammen, die mich durch solche Prozesse sicher begleiten und deren Urteil ich vertrauen kann.


Auf Freiheit folgt stets Wettbewerb


Berlin - Die Messe der Call Center World!


Alljährlich trifft sich geballte Kompetenz in Sachen Kundenservice, Kundenkommunikation und Call Center in der Hauptstadt. Fachbegriffe wie CRM, Voice Biometrics oder modulare Cloud schwirren durch die Gänge. Auch ein Coach aus Hamburg tippelt begeistert durch die Massen und lauscht fasziniert den Vorträgen.


Hier wird Kommunikation professionell betrieben und die Zukunft des Genres vorgestellt. Unfassbar, was auf dem guten alten “Sender-Empfänger Modell” alles wachsen kann. Gleichzeitig ist und bleibt das die Basis für so viele Paralleluniversen wie Vertrieb, Kundenservice, Datenschutz. Es wird eindrucksvoll gezeigt, was technisch “alles so geht”. Nicht immer halte ich da mit. Na gut, sogar meistens nicht. Man muss mir das immer sehr geduldig erklären.


Ich erlaube mir dann darauf hinzuweisen, das unsere “Programmierung” im Hirn ja schon über 100.000 Jahre alt ist, und seither keine nennenswerten Updates erhalten hat. Wir sind also ein echtes Erfolgsmodell. Doch hier und da macht sich bemerkbar, das unsere eigene CPU auf ursprünglich andere Umstände zurechtgeschnitten ist. Nix mit Computer, Handy oder Mail. Gab es damals noch nicht.


Und genau da, zwischen Mammutjagd und Beerensammeln soll der ganze Hightech den Kunden abholen. Da hilft Fachchinesisch nicht weiter, der Kunde soll sich wohlfühlen. Hier kommt der Coach wieder ins Spiel: Um diesen Hightech zum Erfolg zu führen braucht es Basiswissen in Sachen “BIOS Homo sapiens”.


Schön, das ich auf der CCW dabei sein darf ;-)



„Wer keine Probleme löst der darf sich nicht wundern, dass sich keiner für das Angebot interessiert“ (Peter Sawtschenko)

Ein Unternehmen schafft es seit Monaten nicht, eine Rechnungsadresse zu aktualisieren. Keine komplizierten Änderungen, nein – ein schlichter Datensatz soll geändert werden. Der Kunde bittet um Antwort. Irgendwann kommt eine Reaktion: Man benötigt noch diese und jene Unterlage. Er schickt die gewünschten Unterlagen zu – beim nächsten Rechnungslauf stellt er fest: Es hat sich nichts geändert. Es wird weiterhin eine Rechnung mit falschen Daten ausgeteilt.


Was läuft da intern schief? Der Kunde bindet durchaus zig Mitarbeiter, indem er immer wieder sein Problem anträgt. Seine interne Historie dazu ist lang. Das kostet Zeit, das kostet Geld. Das kann auch für die Firma nicht erstrebenswert sein. Das Ergebnis für den Kunden erst recht nicht.


Und die Mitarbeiter? Warum scheinen viele so unmotiviert? Warum sooft krank? Warum scheint immer mehr Lethargie in deren Geist zu rieseln („Dienst nach Vorschrift“)?


Meine These: Weil es sie nicht mehr interessiert, was in ihrer Firma passiert. Weil ihre Wertvorstellungen dort nicht von Belang sind. Weil Vorgesetzte kommen und gehen, bis in die Spitze der Firma und nur für kurze Zeit “die Kuh melken“ um dann weiterzuziehen. Dafür wurde etwas anderes geschafft: Durch rigorose Maßnahmen wurden Quoten erfüllt, wurden durch neue Kampagnen viele Neuverträge erreicht. Das alleine zählt. Das wird „gemonitort“.


Die Unzufriedenheit der Kunden, die Weggänge der Mitarbeiter und der Frust der „Übriggebliebenen“, die mit den Problemen alleine gelassen werden, – das alles ist unwichtig. Aber es werden weiter Millionen Euro für Werbung und Kampagnen ausgegeben.


Solche Firmen brauchen Hilfe – und wenn sie diese nicht wollen, dann braucht sie kein Mensch – da können noch soviele Wertgrundsätze für Mitarbeiter an der Wand hängen.



Wenn das alles ist?

 …so meinte einmal einer meiner Klienten. Manchmal berührt man in Gesprächen eben auch philosophische Themen: Die Frage nach Schuld, die Frage von Gut und Böse, die Frage der eigenen Sterblichkeit und der Sinn des Lebens. Ich selbst freue mich immer, wenn Gespräche diese Qualität erreichen. Gemeinsam erforscht man Ansichten, argumentiert und strebt nach geistiger Nahrung für ureigenste Fragen oder Ansichtsweisen.


Den häufigsten Anlass bei Themen dieser Art vertritt hierbei die Endlichkeit des Seins und die Angst vor dem eigenen Tod. Die große Philosophin und Buchautorin Simone de Beauvoir beschreibt in ihrem Roman “Alle Menschen sind sterblich” mit eindrucksvoller Intensität, wie ein Mensch Unsterblichkeit erlangt und die Wandlung dieses vermeintlichen Privilegs. Was will man entdecken, wenn man irgendwann schon überall war? Was geniessen, wenn man es schon tausendmal geschmeckt und gespürt hat? Wo seinen Hafen finden, wenn jeder geliebte Mensch unter seinen eigenen unsterblichen Fingern zerrinnt, älter wird, letztlich stirbt, und man selbst bleibt unversehrt? Welche Ziele sind noch von Wert, wenn es letztlich egal ist, wann und ob man sie beginnt oder vollendet?


Der Romanfigur wird der Ehrgeiz gebrochen und durch gähnende Gleichgültigkeit ersetzt, die sich wie eine Sanduhr langsam rieselnd in seinem Geist ausschüttet. All seine Sehnsüchte verlöschen. Sein Wille weicht einer unfassbaren Lethargie. Klingt nicht wirklich erstrebenswert

. Der Tod ist ein Pfeil, der auf uns abgeschossen wird wenn wir geboren werden. Er fliegt und fliegt und trifft uns letztlich in der Sekunde unseres Todes. (Frei nach Jean Paul.)


Ich bin froh, das auch für mich ein persönlicher Pfeil in der Luft ist, denn er ermöglicht mir den Wert und die Spielregeln meiner mir zugewiesenen Lebensspanne zu erkennen. Dabei ist es unerheblich für mich, wie lange er noch fliegen wird. Er ermutigt mich, in der Begrenztheit der Dinge einen Wert zu sehen und die Gestaltbarkeit meines Lebens in Bezug auf seine Endlichkeit wertzuschätzen.


Wenn das alles ist, dann war es ganz schön viel.